Aktuelles

Aktuelles

State of the Union

Reden zum “State of the Union”: Die Kommissionspräsidentin hat 60 Minuten, in Straßburg die EU zu preisen – ich habe 60 Sekunden, um zu kritisieren. Und dann kommt die auch noch zu spät zu meiner Rede. Kurz überlegt, sie in die Ecke zu schicken. Hab’s dann aber gelassen… Smiley!

Nach dem Erfolgsknaller “State of the Union, Teil 1” – Ein-Minuten-Rede, kurze Sätze, knallharte Facts – jetzt das absolute Gegenteil: 30-Minuten-Geschwafel, parataktischer Satzbau, langweilige Analysen. NUR FÜR ABSOLUTE EU-FREAX und NERDS mit EINSCHLAFPROBLEMEN!!! (Sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht GEWARNT…) Spoiler: Am Ende kommt was Persönliches. ZwinkerSmiley

Coudenhove-Kalergi

Ein Gastbeitrag von Klaus Ungerer

Heute wollen wir über Coudenhove-Kalergi sprechen. Kennen Sie nicht? Ist vielleicht auch besser so. Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi (1894-1972) gilt, wie man auf der Seite des Europaparlaments in tadelloser Genitivkonstruktion nachlesen kann, als „Vater des demokratischen Zusammenschlusses Europas“. Er war 1950 erster Träger des Aachener Karlspreises, und späterhin wurde nach ihm selbst ein Preis benannt, den auch Angela Merkel gern entgegen genommen hat, wobei von ihr allerdings überliefert ist, sie habe am Tag der Preisverleihung etwas verschnupft gewirkt. Vielleicht war sie wirklich angeschlagen in der Zeit, vielleicht war ihr politischer Instinkt ein wenig verrotzt für den Moment, vielleicht war sie auch einfach nur schlecht beraten, oder niemand hat sich die Mühe gegeben, den Mann, Coudenhove-Kalergi, zu googeln. Immerhin hat Papa Kohl den Preis ja auch angenommen, und vor ihm vorbildliche Europäer wie Strauß oder Juncker, und zwischendurch wurde Yehudi Menuhin der Preis auch noch umgehängt, als er schon tot war und nicht mehr googeln konnte. Continue reading “Coudenhove-Kalergi”

Ich geh jetzt 5%-Plakate aufhängen…

Während afghanische SocialMedia-Nutzer hektisch ihre Facebook-Postings der vergangenen 20 Jahre zu löschen versuchen, sind den Taliban längst die (vom US-Militär freundlicherweise zurückgelassenen) HIDE-Geräte zur biometrischen Personenidentifizierung (Iris, Porträt, Fingerabdruck) in die Hände gefallen. Einschließlich der Datensätze, die ihnen (auch ohne Internetverbindung) eine gezielte Fahndung nach allen US-Helfern im Land ermöglichen.
 
Derweil nutzt Erdogan (Türkei) die günstige Gelegenheit, um ein Krankenhaus im von der jesidischen Minderheit bewohnten Shingal (Irak) zu bombardieren.
 
Derweil nutzt Alijew (Aserbaidschan) die günstige Gelegenheit, um willkürlich auf Grenzsoldaten (Armenien) und Feuerwehrleute (Arzach) ballern zu lassen und stellt Armenien feixend einen weiteren Vernichtungskrieg in Aussicht.
 
Und während die Welt (-öffentlichkeit) nicht mit dem Irren vom Bosporus oder seinem blöden Bruder aus Baku, sondern mit ihrem eigenen Versagen beschäftigt ist, erklimmt der Bundesminister für Digitale Infrastruktur eine Hütte in en Berchtesgadener Alpen, um der frischgebackenen Cheflobbyistin von Facebook sein JA-Wort zu geben.
(Andi B. Scheuerts drittes Mal. Offenbar sind seine Ehe- besser als seine Mautverträge. Smiley)
 
Mir reicht’s für heute, Internet. Ich geh jetzt 5%-Plakate aufhängen, direkt vor der SPD-Zentrale in Berlin.
 

Auf die Knie, Europäer!

(Paar empörte Anmerkungen meiner pol. Beraterin)
 
Kurz bevor 22 Fußballspieler (11 davon noch in der EU) am vergangenen Dienstag öffentlichkeitsgefällig auf ein Knie gingen, um IRGENDETWAS zu demonstrieren, von dem Vergessliche noch nicht einmal wissen dürften, was es nochmal war (Spoiler: der Kniefall galt nicht der durchaus etwas missratenenen Familie der Königin von Grobbritannien), verstarb (am 19.06.) im tschechischen Teplice ein Mann namens Stanislav Tomáš in Polizeigewahrsam.
 
Der Videoaufnahme seiner vorangegangenen Verhaftung ist zu entnehmen, dass einer von drei Polizisten (mindestens) 5 Minuten lang auf seinem Nacken kniete, um ihn mit der gefürchteten „neck restraint technique“ zu züchtigen – auch nachdem er längst in Handschellen lag und keinerlei Gegenwehr mehr zeigte.
 
Minuten später lag der Mann, der zur in Tschechien traditionell diskriminierten Minderheit der Roma gehört, in einem potthässlichen Ostblockkrankenwagen und war tot. Laut polizeilichem Autopsiebericht übrigens nicht infolge einer „unnötigen, unverhältnismäßigen und daher rechtswidrigen“ Polizeitechnik (Amnesty International), sondern infolge anhaltenden „Drogenmißbrauchs“. AHA.
 
Falls Sie sich jetzt an ein Ereignis erinnert fühlen, für das Sie jederzeit auf ein Knie gehen würden, dann sollten Sie das ganz schnell wieder vergessen. Die tschechische Polizei hat nämlich fixestens unter dem crazy Titel “No Czech Floyd …” ein Video veröffentlicht, das Tomáš und einen Kollegen (oben ohne!) zeigt, wie sie schreiend in einer Strasse herumrennen und gegen ein paar Blechautos treten.
 
Und wenn die tschechische Polizei meint, das könne den Einsatz einer (spätestens) seit dem 25. Mai 2020 zu Recht geächteten Polizeimaßnahme mit Todesfolge auch nur im Ansatz rechtfertigen, dann ist sie noch dümmer als unser alter Kumpel IM Herbert Reul, NRW.
 
Tschechiens Innenminister Jan Hamáček und Ministerpräsident Andrej Babisch stellten sich vorbehaltlos hinter ihre Polizei & verweigern jede unabhängige Untersuchung des Vorfalls, wie sie von Amnesty International, Human Rights Watch und dem Europarat gefordert wird.
 
Die politische („liberal“) und unternehmerische („Agrofert“) Knallcharge BABISCH ist derzeit übrigens Ermittlungen wegen Betrugs, Bereicherung & EU-Fördermittelmissbrauchs in Millionenhöhe ausgesetzt (vgl. die 34.000 Seiten starke Ermittlungsakte zur „Storchennest-Affäre“). Ein drittes LOCH in der NASE könnte BABISCH, zweitreichster Bürger (und reichster Regierungsschef) seines Landes, in dieser Lage natürlich besser gebrauchen als eine europäische Öffentlichkeit (oder EU-Behörde), die sich für Polizeigewalt, Todesfälle in Polizeigewahrsam oder gar die tschechische Polizeiarbeit gegenüber Minderheiten interessiert.
 
Roma stellen mit 6 Millionen die größte ethnische Minderheit in der EU. Vertreter der Roma bedauern, dass der Tod von George Floyd bei EU-Offiziellen eine große Welle von Empörungs- und Solidaritätsbekundungen ausgelöst habe, während in derselben EU für „den Fall, dass ihre eigenen Bürger unter ähnlichen Umständen sterben,“ protokollarisch nur bedrückendes Schweigen vorgesehen ist.
 
Wer jetzt nicht begreift, dass in der europäischen Öffentlichkeit etwas gehörig SCHIEFLÄUFT, dem ist nicht mehr zu helfen.
 
Und während der (politisch) KOSTENLOSE Gratisschneid von DFB, Volkswagen, BlackRock oder TokTik über den ästhetisch bedenklichen Einbau regenbogenfarbig gemeinten Kolorits in das Organisationslogo sowieso nie hinausgehen wird, verneige ich mich anstelle des wohlfeilen Falls auf den Meniskus (vgl. Fußballsportmannschaft, rausgeflogen) hier einmal symbolmoralisch korrekt vor dem verstörend antipolitischen Symbolmoralismus, dem EU und westeuropäische Welt verfallen sind.